30 Tage Notvorrat für 4 Personen — die durchgerechnete Liste

Komplette Notvorrats-Liste für eine vierköpfige Familie für 30 Tage — mit Kalorienrechnung, Wasserbedarf und realistischer Budgetierung unter 500 €.

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30 Tage Notvorrat für 4 Personen — die durchgerechnete Liste

Vier Personen. Dreißig Tage. Komplett aus dem Vorrat. Keine Apokalyse-Marketing-Liste mit zehn Eimern Reis und eineinhalb Tonnen Mehl, sondern eine Liste, die in einen normalen Vorratsraum passt, normale Familien-Geschmäcker bedient und unter 500 Euro kostet. Das ist die durchgerechnete Variante.

Die Grund-Annahmen

  • 4 Personen: 2 Erwachsene (je 2.500 kcal/Tag), 2 Kinder (je 1.800 kcal/Tag) → ca. 8.600 kcal/Tag, das sind 258.000 kcal in 30 Tagen.
  • Wasser: 4 L pro Person und Tag (Trinken + Kochen + Mindesthygiene) → 480 L gesamt.
  • Lagertemperatur: 14–18°C, trocken, dunkel.
  • Kein Strombedarf zum Lagern — wir gehen davon aus, dass die Tiefkühltruhe in einer langen Krise ausfällt.
  • Rotationsprinzip: Verbrauch im normalen Alltag, Nachkauf — kein Wegwerfen nach Mindesthaltbarkeitsdatum.
30-Tage-Notvorrat Kostenaufteilung
Kostenaufteilung des Vorrats und Soll-Werte für Kalorien und Wasser.

Die Liste — strukturiert nach Kategorie

1. Grundkohlenhydrate — 85 €

  • Reis (Langkorn, parboiled): 10 kg → 36.000 kcal, hält in Mylar-Beuteln 25+ Jahre.
  • Nudeln (Hartweizen, breit gemischt): 8 kg → 29.000 kcal, MHD im OVP normalerweise 3 Jahre, in Mylar 10+.
  • Haferflocken: 4 kg → 14.500 kcal, ideal als Frühstück mit Trockenobst.
  • Mehl (Type 550): 5 kg → 18.000 kcal — wichtig: nur lagerbar, wenn jemand backen kann ohne Strom (Gusseisenpfanne + Holzofen).

Diese 27 kg liefern allein 97.500 kcal — das ist mehr als ein Drittel des 30-Tage-Bedarfs.

2. Konserven — 165 €

  • Tomaten (passiert + stückig): 12 Dosen à 400 g.
  • Mais, Erbsen, Bohnen: je 10 Dosen à 400 g.
  • Thunfisch in Öl: 24 Dosen à 150 g — Eiweiß und Fett kombiniert.
  • Sardinen: 12 Dosen à 100 g — Omega-3 und langes MHD.
  • Hähnchen in Eigensaft: 8 Dosen à 400 g.
  • Würstchen im Glas: 6 Gläser.
  • Ravioli/Tortellini (für Kinder-Akzeptanz): 8 Dosen.
  • Apfelmus: 6 Gläser à 700 g.

Die Konserven liefern den Großteil des Eiweiß-Bedarfs und sind die wichtigste Kategorie für Geschmack-Akzeptanz nach Tag 7. Reis mit Reis mit Reis hält keine Familie 30 Tage durch.

3. Hülsenfrüchte (trocken) — 45 €

  • Linsen: 3 kg (rote, beluga, braune gemischt).
  • Kichererbsen: 2 kg.
  • Bohnen (Kidney, weiße, schwarze): 3 kg.

Hülsenfrüchte trocken sind kalorisch dichter, billiger und länger lagerbar als Konservenvarianten. Nachteil: brauchen Wasser zum Quellen + 30–60 Min Kochzeit. Mit Schnellkochtopf 15 Minuten — eine Anschaffung, die im Vorrat-Setup oft unterschätzt wird.

4. Fette und Öle — 35 €

  • Olivenöl: 3 L (in dunkelgrünen Flaschen).
  • Rapsöl: 2 L.
  • Butterschmalz: 1 kg im Glas (hält ungeöffnet 2+ Jahre).

Fett ist die kalorisch dichteste Reserve: 9 kcal/g. Wer 1 L Olivenöl mehr im Vorrat hat, hat 8.000 kcal mehr — das sind fast vier Tagesrationen einer einzelnen Person.

5. Trinkwasser-Reserve — 25 €

  • Stilles Wasser: 6 × 6er-Pack à 1,5 L = 54 L als unmittelbare Trinkreserve.
  • Filter-Reserve: 1 × Sawyer Squeeze + Vorfilter-Tuch (siehe Wasserfilter-Vergleich auf dieser Seite).
  • Behälter: 2 × 20-L-Wasserkanister BPA-frei, leer im Keller — werden im Krisenfall innerhalb der ersten Stunden gefüllt, solange Druck noch da ist.

Die Annahme: Im Krisenfall bleiben mindestens 4–8 Stunden Druck im Netz. In dieser Zeit füllt man jede leere Flasche, die man hat. Die 54 L "fertiges" Wasser sind die Reserve für die ersten 2–3 Tage, bevor das gefüllte Notwasser zum Trinken aufbereitet wird.

6. Kaffee, Tee, Salz, Gewürze — 30 €

Unterschätzte Kategorie. Kaffee morgens ist der Unterschied zwischen "wir machen das" und "wir hängen durch". 500 g gemahlener Kaffee + Espressokocher (Bialetti, kein Strom) reichen für 30 Tage. Plus Salz (1 kg, hält ewig), Pfeffer, Paprika, Lorbeer, getrocknete Zwiebeln, Bouillon-Würfel.

7. Langzeitnahrung als Reserve — 95 €

  • 1 × Karton BP WR (Notrationen NATO, 9 Riegel à 500 g, je 2.300 kcal) → 20.700 kcal Notreserve.
  • 2 × Convar 7 Notriegel-Pakete für Kinder-Mitnahme (z. B. wenn man das Haus verlassen muss).

Diese Kategorie ist kein Hauptvorrat. Sie ist die Versicherung für den Fall, dass der Hauptvorrat unzugänglich wird (Wassereinbruch im Keller, Brand, Evakuierung).

Lagerung — drei nicht verhandelbare Regeln

  1. Mylar-Beutel + Sauerstoffabsorber für Reis, Mehl, Hülsenfrüchte, Haferflocken. Kostet pro 25-Jahre-Lagerung etwa 0,40 € pro kg. Detail-Anleitung hier (folgt).
  2. Trocken, dunkel, kühl. Keller mit konstanten 12–15°C ist ideal. Nicht in der Garage (Hitze im Sommer killt MHD).
  3. Inventarliste mit Kaufdatum + MHD. Excel reicht. Wer keine Liste führt, wirft nach drei Jahren zwei Drittel weg.

Was nicht auf der Liste steht (und warum nicht)

  • Honig in Mengen. Hält zwar ewig, aber hoher Preis pro kcal. Eine Reserve, kein Hauptvorrat.
  • Schokolade. Schmilzt, wird grau, zerfällt. Maximal als Stimmungsbooster in kleinen Mengen.
  • Frische Eier oder Käse. Tiefkühlung scheidet aus, Lagerung außerhalb des Kühlschranks ist nicht stabil zu garantieren.
  • "Survival-Eimer" aus dem Internet für 200 €. Marketing. Selbst zusammenstellen ist 30–40% billiger und besser auf Familie abgestimmt.

Gesamtsumme und Realitätscheck

Die ehrliche Rechnung: 480 € für ungefähr 30 Tage komplette Selbstversorgung einer vierköpfigen Familie. Mit Geschmack, mit Variation, mit Reserve. Weniger geht — wenn man nur Reis und Nudeln will. Mehr geht — wenn Bio sein muss. 480 € ist der pragmatische Mittelweg.

Was 480 € einmalig ist, sind im Rotations-Modus weniger als 20 € pro Monat zusätzlich zum normalen Einkauf, weil der Vorrat nicht "extra" konsumiert wird, sondern der Einkauf der Zukunft ist.

Excel-Vorlage zum Download

Eine fertige Inventarliste mit allen Posten, Mengen, MHD-Spalte und Auto-Berechnung der Restkalorien-Reserve liegt zum Newsletter-Abo bereit. Hier abonnieren, du erhältst sie sofort per E-Mail.

Disclaimer: Diese Liste ist eine durchschnittliche Mittelschicht-Familien-Variante. Allergien, Diabetes, Kleinkinder unter zwei Jahren oder ältere Personen mit Kau-Problemen brauchen individuelle Anpassungen. Empfehlungen ersetzen keine Ernährungsberatung.